Mittwoch, 1. April 2015

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Ich möchte meine Seele dampfstrahlen lassen. Ich möchte mir die Augenlider abreißen, um den blanken Augapfel gegen die rotierenden Bürstwalzen einer Autowaschanlage pressen zu können. Ich möchte Pfeifen in den Ofen schieben, um anschließend gratis Backpfeifen verteilen zu können. Aber von vorn...

Ich sehe mir ja keine Pornos an. Ich doch nicht. Ich wüsste auch gar nicht, warum. Nicht, weil mir Sex unangenehm wäre, doch aber weil ich seinen Reiz jetzt nicht unbedingt im Visuellen verorten würde. Oft genug bin ich froh zu sehen, wenn Menschen sich dazu entschließen, ihre Kleider an zu behalten. Oft genug wünsche ich mir im Stillen, diese Menschen würden sich auch noch für eine weitere Jacke und einen Rollkragenpullover bis hoch zum Haaransatz entscheiden. 
Und selbst bei der körperlich attraktiven Minderheit, welche zumeist in Pornofilmen aktiv wird, gemahnt das Dargebotene doch all zu sehr an verstörende, fleischummantelte Presslufthämmer und Baustellenfahrzeuge. Da wird gehobelt und geschraubt, erstaunlich oft werden Dinge in bestimmten Winkeln justiert, damit genug Platz zum durchgucken ist und nebenan beschwert sich einer über die Lautstärke. Würde ich sagen, schaute ich Pornos. Tu ich aber nicht. Meine Informationen beziehe ich ausschließlich von einem Freund, der wiederum Bekannte hat, also nicht hier, ganz weit im Norden leben die, welche schon mal von Welchen gehört haben, die womöglich irgendwann mal aufgrund einer Bindehautentzündung aus Versehen in einen Geschlechtsverkehr hinein gestolpert sind.

Jetzt aber läuft Porno. Beim Aufräumen ist mir eine meiner zahlreichen Hanteln aus der Hand geglitten, auf die Tastatur gefallen und dort zufällig über die Tasten www.youporn.com/milfsausdeinerNachbarschaft/gloryholeatkaffeeburger.html gerollt.
Ich habe das jedoch nicht gleich bemerkt und nachdem die Dame sich nun schon über zwanzig Minuten redlichst bemüht, ihre Yoga-Stunden in praktisch Anwendbares umzusetzen, wollte ich ihr das Erfolgserlebnis dann irgendwie auch nicht vorenthalten. Außerdem grinsen mich die Fensterputzer auf dem Gerüst vor unserem Fenster blöd an und geben mir diverse Daumen hoch. Jetzt abzuschalten hieße, meine Scham einzugestehen, hieße, ironischerweise, einen Fick darauf zu geben, ob die nun wissen, was ich mir anschaue oder eben nicht, aber da geht es auch ums Prinzip! Ich muss mir keine Pornos ansehen, um mein Recht darauf, das zu dürfen, wahrnehmen zu wollen. Ich muss auch niemanden ins Genick treten, um mein Recht auf Selbstverteidigung gut zu finden. Oder so ähnlich. Also schaue ich und wenn es mir richtig erscheint, deute ich auf den Bildschirm und nicke wissend. Ab und zu lache ich laut auf, was die Fensterputzer aber nur weiter anzustacheln scheint.
Da fällt mein Blick auf einen Menüpunkt, der sich, etwas versteckt, unter dem Video und neben den Angaben über Aufrufe und Bewertungen befindet. Da steht: Kommentare

Was sind das für Menschen, die Bumsfilme im Internet kommentieren? Was denken die sich? Und wann? Nachdem sie fertig sind? Sinnieren diese Menschen bei einer Zigarette ausführlich über die Semantik der Penetration nach oder schreiben sie,
ganz spontan, quasi aus der Situation heraus...?
Wenig später habe ich meine Antwort, denn sowohl Länge als auch Orthografie der Beiträge lassen keinen anderen Schluss zu, als das diese mit nur einer Hand getippt worden sind.

Hier nun meine persönlichen Top 3:
3. Dieser Mann hat keine Ahnung von Klempnerei!
2. Meine Mutter hat das selbe Sofa.
1. Mama!

Nach kurzer Bedenkzeit führe ich die Finger an die Tasten und schreibe: Sowohl Licht als auch die Dialogregie scheinen mir von einem Regiestudenten im ersten Semester erdacht. Ein großes Lob geht allerdings an die schauspielerische Darbietung, denn jede Frau, die mir glaubhaft machen kann, es sei Ihr aufrichtiger Wunsch, wiederholt und ausdauernd, von drei Männern, die nicht nur die Statur sondern auch das Vokabular von Zuchtbullen besitzen und welche zudem von der Natur mit Genitalien bedacht wurden, die nur fünf Finger von Unterarmen unterscheiden, die Körperöffnung neu sortiert zu bekommen, verdient einen Oscar.


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